Günter Frecksmeiers Werke schweben in der Raumstation in Bielefeld

„Es begab sich aber …: Bilder zur Weihnacht“

Ausstellung in der Galerie „Raumstation“, http://www.raumstation.info vom 1.12. bis 22.12.2017, geöffnet: Fr. 16:00 – 19:00 und Sa. 12:00 – 16:00 Uhr.

Eine Laudatio zur Eröffnung von Gábor Wallrabenstein

Günter Frecksmeier kenne ich jetzt seit ziemlich genau fünf Jahren. Mein alter Freund, der Maler und Skulpteur Frank Herzog, machte mich 2012 auf Günter aufmerksam: „Du, da gibt es einen Maler, der ist so eigenständig und unverwechselbar, den musst du kennenlernen, der ist echt interessant!“ Seitdem lerne ich jedes Mal, wenn ich Günter treffe, Neues über ihn, seine Malerei und seine Sicht der Welt kennen.

Sein Werk ist vielschichtig, ich behaupte, es ist uferlos. Die Themen, denen er sich stellt, fangen bei der Auseinandersetzung mit der jeweilig aktuellen Tagespolitik der jeweiligen Zeitläufte an und gehen über Werke, die sich mit mythischen Themen beschäftigen bis hin zu Betrachtungen von Umweltzerstörung, Machtmissbrauch, Krieg und Frieden. Er malt die stillen Momente, die Glück oder Trauer bedeuten, genauso, wie einen Bundespräsidenten, der über Schloss Neuschwanstein schwebt.

Er malt natürlich Selbstportraits, Stillleben und Akte. Abstrakt zu arbeiten, ist ihm auch nicht fremd. Siehe zum Beispiel der blaue Engel dort. Und auch das Informel ist ihm nicht unbekannt. Und Heiko Jörn sagte einmal über ihn: Günter Frecksmeier möchte ich als Expressionisten mit symbolischen Gedanken bezeichnen …“ Andere sehen eher die surrealen Anteile in seinen Bildkompositionen. Im Grunde ist seine Art zu malen, nicht in wenigen Sätzen darstellbar. Eigentlich stellt Günter Frecksmeiers Malerei eine ganz eigenständige Kategorie dar.

Exzessiv setzt er sich mit seinen sehr „persönlichen“ Themenkomplexen auseinander: So sind seine Werke über den Astronauten, der mit einem griechischen Helden aus der Bronzezeit Schach spielt, nicht zählbar. Er malte eine beein­druckende Bildfolge über das Gilgamesch-Epos. In vielen Variationen zeigt er den Ritter mit der traurigen Gestalt, Don Quijote. Im Zyklus „Bilder zur Bibel“ dokumentierte er seine christliche Grundhaltung.

Die Darstellung des Menschen und dessen Umwelt in all seinen Facetten ist – für mich erkennbar – sein zentrales Motiv. Wir fotografieren derzeit sein gesamtes malerisches Lebenswerk. Bei fast jedem Motiv, welches ich vor die Linse bekomme, erschließt sich mir seine Botschaft erst beim zweiten oder dritten Hinschauen. Oft muss ich schmunzeln, denn Günter Frecksmeier verwendet eine fein ziselierte Art von Humor in der Kombination von Bildelementen. Beim vierten Hinschauen werde ich dann nachdenklich und erkenne in seinen Darstellungen oftmals die menschlichen Abgründe und Fehlleistungen, die unsere Welt bewegen – oder eben nicht bewegen. Widerspruchslose Fortschritts- und Technikgläubigkeit ist nicht so seine Sache.

Günter Frecksmeier nimmt gerne dasjenige Material, welches gerade verfügbar ist. So malte er vor Jahrzehnten die Darstellung der Vertreibung aus dem Paradies auf eine Tür. Auch nimmt er beispielsweise gerne Teppichrückseiten als Malgrund, um in Verbindung mit seiner Maltechnik und dem Farbmaterial eine besondere Tiefe zu erzielen. Die Kriegsschiffe einer amerikanischen Flotte modellierte er aus Sardinenbüchsen.

Er malt nicht fotorealistisch, im Gegenteil, er reduziert in seiner genialen Art. Mit wenigen Pinselstrichen ist er in der Lage, Informationen zu verknüpfen und von der Leinwand direkt ins Auge des Betrachters springen zu lassen. Dabei vollzieht sich im Hirn eine Art Quantensprung und es entstehen neue Qualitäten von Bildern: sozusagen bedeutungs-schwangere Superzeichen.

Seine unbändige Freude am Spiel mit Farbe, Form und Material ist deutlich erkennbar. Siehe das Schaf, welches dort hängt: Ein Teppichbodenausschnitt mit wenigen Pinselstrichen versehen – und fertig ist das Schafgesicht. Hier und heute zeigt Günter Frecksmeier mehr kontemplative, also von ihrer Vibration her stille, nach innen gerichtete Malerei, Zeichnungen und Grafik zum Thema Weihnachten, weil er zeigen möchte, dass es neben „Schrei, Brüll, Mammon, Sinn-Entleerung und immer mehr Konsum“ noch einen Urgrund gibt, nach dem sich alle Menschen sehnen.

Günter Frecksmeier malt seit fast 60 Jahren. Er ist am vergangenen 25. November 2017 achtzig Jahre alt geworden. Herzlichen Glückwunsch Günter! Ich hoffe, dass wir mit ihm in den kommenden Jahren noch viele Ausstellungen genießen dürfen. Das schönste Geschenk an ihn ist, wenn Ihnen seine Kunst gefällt und Sie ein Werk erwerben. Nun, die Werke seiner Malerei hängen an der Wand, die Mappe mit Grafik ist dort. Die Preise hat Günter Frecksmeier moderat gestaltet, auch für den kleinen Geldbeutel ist etwas dabei. Jetzt möchte ich diese kurze Einführung schließen und wünsche anregende Gespräche untereinander und mit dem Künstler.

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