EMBRYO rockte den Logensaal in Herford

 

EMBRYO spielte am 17. September 2017 im Logensaal in Herford, oben: Marja Burchard

Günter Scheding schreibt für golbblog, Fotos: Gábor Wallrabenstein „Das war die größte Freude, die er in diesem Land gehabt hat“, sagt die syrische Journalistin und Dichterin Salwa Al-Mahmod über Hosam Abrahim und meint damit, dass Hosam beim EMBRYO-Konzert im Herforder Logensaal zusammen mit Roman Bunka die arabische Laute OUD spielen durfte. Doch von vorne: Hosam stammt aus der südsyrischen Stadt Daraa, am Yarmouk gelegen, der später in den Jordan fließt – er hat sein Abitur gemacht, um dann Wirtschaft zu studieren. Gesungen hat er seit seiner Kindheit, die Oud hat er zuerst auf der Musikschule, dann bei einem privaten Lehrer erlernt – und der Münchner Roman Bunka ist ein in allen arabischen Ländern geachteter und bewunderter Oud-Virtuose. Etliche Male hat er in Damaskus , Aleppo und anderen arabischen Städten gespielt und er kennt die Volks-Weisen, die tradionellen Lieder, die Hosam so sehr mag und hervorragend zu spielen versteht. Roman Bunka ist ein begnadeter Oud-Spieler, der in Kairo sein Spiel auf der Laute bei hervorragenden Lehrern soweit verfeinerte, daß er nicht umsonst als bester nicht-arabischer Oud-Spieler gilt. Die Freundschaft und Zusammenarbeit mit dem ägyptischen Superstar Mohammed Mounir machte ihn bekannt im ganzen arabischen Raum – und der „Fan“ Hosam Abrahim trifft in Herford bei dem Konzert PÌECES IV sein Vorbild – und der lädt ihn ein, am nächsten Tag mit ihm zu spielen … 

… zu spielen auch mit EMBRYO, dieser seit 48 Jahren durch Deutschland und die Welt tourenden Band, nimmermüde und immer noch nicht satt von den vielen Eindrücken und Ausdrücken, die Musik macht und kann. Seit acht Jahren schon war Marja mit ihrem Vater Christian Burchard und natürlich anderen Musikern unterwegs. Auf dem Weg nach Marokko im südlichen Spanien bekam Christian einen Schlaganfall. Der Vater ist nun zu Hause und wird gepflegt und die Tochter ist fleißig unterwegs – und wie: Ein musikalisches Feuerwerk brannte da ab: mal rockig, ein wenig jazzig, gar funkig mit vielen ungeraden Rhythmen gespickt war das, was die drei Musiker Marja Burchard, Maasl Maier und Jakob Thun im Logensaal einem immer mehr begeisterten Publikum da anboten – souverän und mit einer Marja Burchard als musikalisches Kraftpaket, die immer wieder zeigt, wie es weitergeht.

Eindringlich ihr Vibraphon-Spiel, zurückhaltender und Raum lassend für die beiden Mitspieler an Bass und Schlagzeug mit den Keyboards, dafür umso inspirierter und voller Leidenschaft mit ihrem Posaunenspiel. 
Das hatte etwas – und macht Spaß auf viel mehr. Doch das ist es noch lange nicht gewesen: Die „Alt-Embryos“ Roman Bunka (Gitarre) und Michael Wehmeyer ließen mit wundervoll passenden und einfühlsamen Klängen Zauberwelten in den Ohren und Köpfen entstehen – musikalische wohlgemerkt – da schlugen die Wellen gut dosiert ins zum Teil tanzende aber auf jedenfall sich bewegende Publikum. 

Und auch hier ist es Marja Burchard , die ungemein kraftvoll das musikalische Wirken vorantreibt, in Bahnen lenkt und zu einem einzigen Genuss werden läßt. Doch immer noch nicht genug – vom PÌECES-Konzert einen Tag früher in der Marienkirche waren noch Pitty Klein und Lisa Ohm zu EMBRYO gekommen, sehr passend in dieses Weben eines kleinen musikalischen Teppichs. Und als Lisa Ohm gar ihr „Jorginos Garten“ einem immer dynamischer werdenden Rhythmus aus Südindien bekannte Modulationen hinzufügte wurde das Zuhören zu einem Hochgenuss. Marja Burchard und EMBRYO verabschiedeten sich in der Zugabe mit einem „Beatbox“-Stück – souverän und voller Sinnlichkeit … 

Das war ein großartiges erstes Konzert im Logensaal und vielleicht bringen die nächsten Musiker wieder eine solche Stimmung mit.
Günter Scheding

Hier ein Ausschnitt des Konzerts als Filmaufnahme von Norbert Kaase auf youtube: https://youtu.be/AI3rxf4Yiy0

Hier ein Interview von Günter Scheding mit Marja Burchard, Roman Bunka, Michael Wehmeyer: https://youtu.be/n5Sf00yK050

Norbert Kaase: www.kaase-film.de


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