Harald Schuppe – ein Nachruf von Gábor Wallrabenstein

Der Maler Harald Schuppe ist 73 Jahre alt geworden. Vermutlich hatte er viele noch unvollendete Bildideen vor seinem inneren Auge. Die Künstlerin Sabine Ehlers sagte einmal über ihn: „Er ist ein Baumeister surrealer Welten“. Das sehe ich auch so. Weitergehend möchte ich aber auch über ihn zudem sagen: „Er malte eine sehr persönliche Art von Science Fiction“. Als „alter“ und erfahrener Leser von Storys und Romanen mit spekulativer Thematik – insbesondere auch solchen Werken die als „social fiction“ bezeichnet werden können – habe ich diese Assoziationen ganz einfach. Andere Zeitgenossen sehen in seiner Malerei auch noch Anteile von Comic-Illustrationen. Er ist vielschichtig und lässt sich in seinem Schaffen nicht so einfach einordnen. So ähneln die Motive seiner Werke auch eher organisch gewachsenen Strukturen als einer Architektur, die im 90-Grad-Winkel-Prinzip in die Welt gesetzt wurde. Gesellschaftskritik und eine gehörige Portion Skepsis gegenüber der Technikgläubigkeit und Technikhörigkeit  kennzeichnen sein Werk. Das obige Bild zeigt Harald Schuppe in in der Ausstellung „Biomorph und Technoid“, 2014 in der Ravensberger Spinnerei anlässlich seines 70. Geburtstags.

Er war gelernter Tiefdruckretuscheur und studierte nach dieser Ausbildung ab 1972 Soziale Arbeit in Bielefeld und war später neben seinem Hauptberuf als Künstler tätig. Seit 1984 stellte Harald Schuppe auch international aus, so in Nowgorod und Rzeszow, in Nordirland, Nicaragua, Bosnien, China, Großbritannien und den USA. Seine oftmals großformatigen Werke entstanden überwiegend als Acrylmalerei auf Hartfaserplatten. In vielen seiner Bilder spielen innerhalb der Formensprache Rohre und Kabel eine große Rolle. Diese Vorliebe ist unübersehbar.

Im einem NW-Mittagsgespräch mit Stefan Brams von der NW in Bielefeld regte Harald Schuppe die Schaffung eines Bielefeld-Kunstpreises mit Dotierung als Beitrag zur regionalen Kunstförderung an. Schuppe war der Auffassung, dass der Stadt Bielefeld ein stärkeres Engagement und mehr Wertschätzung für die Bildende Kunst gut zu Gesicht stehen würde …

Harald Schuppe hinterlässt seine Ehefrau Renate Schuppe und seine beiden Söhne. Seinem umfangreichen Werk von farbintensiven Bildern harrt die Entdeckung als wahrer Schatz von phantastischen Bildwelten. Ich kannte ihn leider erst seit knapp sechs Jahren. Er starb am 7. August 2017. … viel zu früh …, gerne hätte ich noch mehr von ihm gesehen.

Die Grafik „Stadtmaschine“ von 1912. Es erinnerte mich spontan an Bildwelten, die bei mir in jungen Jahren bei der Lektüre des Romans „Die Stadt hinter dem Strom“ von Hermann Kasack entstanden. Siehe auch Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Stadt_hinter_dem_Strom

Günter Frecksmeier malte als Abschieds-Geschenk von Harald für die Familie Schuppe dieses Portrait von seinem Maler-Kollegen zur Erinnerung. Günter und Harald hatten gemeinsame Ausstellungen.