Der Dschungel in uns allen – Floating Garden von Alexandra Sonntag als psychedelisches Tropenerlebnis im Atelier auf Zeit im Kunstraum Rampe

Schillernd-schwere Farben, exotische, vielleicht gefährliche Lebewesen. Fast meint man, von irgendwo die nächtlichen Schreie eines Urwaldvogels zu vernehmen. Wer die Bielefelder Künstlerin Alexandra Sonntag im Rahmen des traditionellen Sommerateliers auf Zeit im Kunstraum Rampe besuchte, begab sich auf den Weg in ein bunt schillerndes Herz der Finsternis.2013-10-11_Ausstellung_Alexandra-Sonntag_001Alexandra Sonntag im Kunstraum Rampe. © und alle Fotos dieses Beitrags: CC-BY-NC-SA by www.martin-liebermann.de

Ein Jaguar schleicht durch das Dickicht, Affen sitzen im Schein eines hell leuchtenden, aderndurchzogenen Mondes, Vegetationsmauern verströmen in heftigen Grün- und Rottönen eine schwüle, farbgesättigte Atmosphäre. Der Dschungel, den Alexandra Sonntag auf großformatigen Gemälden oder gleich direkt auf den Wänden des Ateliers entstehen lässt, beschreibt das bedrohliche Chaos einer ungebändigten Natur.2013-10-11_Ausstellung_Alexandra-Sonntag_005„Ich mag es, wenn intuitiver Gestus, Schnelligkeit, ein gewisser aggressiver Zugriff auf das Bild den Malprozess beherrschen“, erklärt die in Herford geborene Malerin, die bei Johannes Hüppi Malerei studierte und Meisterschülerin bei John M. Armleder war. Mit dieser spontanen, wilden, jedoch stets beherrschten Technik hat die 44-Jährige einen Ansatz gefunden, das Thema »Dschungel« aus dem Kontext reiner Naturabbildungen herauszulösen. Ihre Urwaldszenen, die an Totemmasken erinnernden Affenfratzen, das Geflecht wildwuchernder Pflanzen- und Lichtfetzen haben viel- mehr einen direkt psychologischen Effekt. Alexandra Sonntags Tropenkosmos zielt direkt auf das Ungeordnete, das Unkontrollierte, das durch Zivilisationsprozesse nur mühsam gebändigte Durcheinander in der menschlichen Natur ab. Ihre hitzedurchströmten, feucht-sexuellen, immer wieder zwischen Restfigürlichkeit und reiner Abstraktion changierenden Urwaldsituationen entstammen keinem Fernreisekatalog, sondern dem Arsenal menschlicher (Alb-) Traumlandschaften. Die bedrohlichen Kulissen, die morbide Atmosphäre der Romane Joseph Conrads scheinen hier Inspirationen geliefert zu haben.2013-10-11_Ausstellung_Alexandra-Sonntag_007Sonntag, die unlängst auf den Herforder Hansetagen mit ihrer Installation »Seemanns-Braut« für einen unterhaltsam-provinziellen »Pornographie«-Skandal sorgte, schätzt  „… kleine  böse  Stellen auf der Leinwand, wenn die Farbe dunkel zuläuft und in ein kaltes Glühen umschlägt“. Sie setzt bewusst  auf  „…Unbeholfenheiten,  schrundige  Passagen,  nicht  ganz  perfekte,  zitternde  Linien“.2013-10-11_Ausstellung_Alexandra-Sonntag_008Interessierte hatten im Rahmen des im Bielefelder Kulturkalender bereits fest etablierten »Sommerateliers auf Zeit« für 8 Wochen bis zum 11. Oktober 2013 Gelegenheit, die Umsetzung dieses Ansatzes live zu erleben. Kunst einmal nicht als Präsentation fertiger Produkte, sondern als offengelegter kreativer Prozess. Das »Dschungelcamp« einmal nicht als Sedativ mit Fernbedienung, sondern als sinnlich-verstörende Erfahrung.

2013-10-11_Ausstellung_Alexandra-Sonntag_010 2013-10-11_Ausstellung_Alexandra-Sonntag_012Gitarrenspielerin Laura Fainstein von »Laura & Los Angeles« www.laura-losangeles.de untermalte die Finissage. Pressetext von »Kunstraum Rampe«, Kunstraum Rampe, Neustädter Straße 9, (Hinterhof), 33602 Bielefeld, www.kunstraum-rampe.de 

Eigentlich war es keine endgültige Finissage: Die Bilder von Alexandra Sonntag werden noch zu drei weiteren Terminen gezeigt: Dienstag 15.10., Donnerstag 17.10., Montag 30.10., jeweils von 18:00 bis 20:00 Uhr.

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