Veronika Heitz: »einezeitlang – 3 Installationen« oder: »Zeit ist eine Illusion« (Albert Einstein)

Veronika Heitz, Bielefelder Künstlerin, präsentiert im Neuen Foyer der Stadtwerke Bielefeld ihre zentralen Themenkreise »Zeit, Linie und Verborgenes«. Die Eröffnungsrede am 29. Januar 2013 hielt Wolfgang Brinkmann, Geschäftsführer der Stadtwerke Bielefeld GmH.v_heitz19

Insgesamt 32 Objekte, 12 Texte, 16 Collagen, 44 Malerei-Exponate und 144 Fotos in einer Diaschau präsentiert Veronika Heitz bis zum 15. April 2013. Wieder einmal haben die Stadtwerke mit einer Ausstellung auf hohem Qualitätslevel die lokale Kunst gefördert.

Hier das PDF der Rede von Wolfgang Brinkmann als PDF zum downloaden: Ausstellung_Heitz.pdf

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Der Bielefelder Künstler Gereon Inger führte im ständigen Dialog mit der Künstlerin kompetent und engagiert in die Ausstellung ein. Rostrot, orange, hautfarben, schwarz, weiß, braun und beige dominieren die Farbklänge der Werke. Teils verarbeitete Veronika Heitz durchsichtige Materialien unterschiedlicher Strukturen, teils entstanden Objekte aus Metallplatten, Draht, Leinwand, Kunstoffgewebe, Leinwand und Farbe. Das Experimentieren und das Ausprobieren in der Kombination von künstlerischen Techniken und dem Material ist für die Künstlerin zielweisend, genauso wie ihr Ideenbuch, welches sie seit Jahren begleitet. Veronika Heitz: »Auf dieses Buch greife ich in meinen Schaffensphasen zurück, und seit Jahren kommen immer wieder neue Ideen zu meinen Zentralthemen Linie, Zeit und Transparenz dazu. Mit Leidenschaft beginne ich schöpferisch meine Themen zu erforschen und bin neugierig auf das, was durch Zufall entsteht.«

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Die Installation »Raumlinien«: Diesem Thema näherte sich Veronika Heitz experimentell, indem sie eine Linie langsam malte und im Anschluss daran eine weitere Linie schnell.

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»Das funktionierte gut, so dass ich diese Arbeitsweise fortgesetzt habe. Wäre dieses Experiment anders verlaufen, hätte ich es verworfen«, so Heitz. Der intuitiven, zufälligen Herangehensweise entspringen Metamorphosen und Verwandlungen.

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Den einen Teil von insgesamt 18 Metallplatten – Objekt auf dem Fußboden – bearbeitete sie mit verschiedenen Säuren, bevor sich die Platten in einer natürlichen Verrostung veränderten. Sie ritzte im Anschluss an diesen Prozess mit Draht Linien in das Material. Andere Platten bemalte sie mit Öl und ließ sie erst im Anschluss daran korrodieren. Die hängenden Objekte gehören zur Installation Verborgenes. In dem Kasten befindet sich die Dia-Überblendschau.v_heitz12Der Sprung vom Zwei- ins Dreidimensionale in der Installation Raumlinien.

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Die Installation »einezeitlang«: Dem Thema Zeit näherte sich Veronika Heitz mit verschiedenen Techniken wie bohren, schweißen, fotografieren und verrosten lassen. Was ist Zeit, Sekunden, Minuten, Stunden, Jahre? Ist Zeit nicht lediglich eine vom Menschen über Jahrtausende entwickelte Struktur und eine festgelegte Vereinbarung über zurückgelegte Strecken und Drehungen von Himmelskörpern? Platon zum Beispiel sagte: »Zeit ist ein Trugbild. Die Zeit ist eine Vorstellung, die in der wirklichen Welt keine Entsprechung hat.«

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12 derartige Texte aus mehreren Jahrtausenden von 12 Philosophen wie eben Platon, aber auch Kant, Hegel und anderen ordnete die Künstlerin in einer Art »Wäscheleinenpräsentation« oberhalb von drei quadratischen Metallobjekten an, die ihrerseits einen Kreis, eine Spirale und eine Linie als Ausfräsung in sich tragen.

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Veronika Heitz: »Die Linie ist ein technisches Symbol und der Kreis und die Spirale sind zyklische Symbole. Die Textauswahl ist subjektiv. Ich habe die Texte genommen, die mich am meisten ansprechen. Für mich stellten sich bei der Entstehung der Installation einezeitlang Fragen, wie man den Begriff Zeit begreifen und erklären kann. Oder, wie haben sich die Philosophen in den verschiedensten Jahrhunderten über die Zeit geäußert, und natürlich – wie verstehe ich die Zeit?«

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Eine weitere Abteilung von einezeitlang besteht aus 36 auf dem Boden liegenden Metallplatten in verschiedenen Stadien der Verrostung. Die Künstlerin: »Den Prozess des Rostens habe ich bei jeder Platte nach 24 Stunden unterbrochen. Die erste Platte lag 24 Stunden im Garten und den Rostprozess bei der letzten Platte habe ich nach 864 Stunden bzw.nach 36 Tagen gestoppt.«

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Weitere 18 Metallplatten mit gestanzten Löchern und Schweißpunkten sind in einem Nebenraum präsentiert. »Zeit wird an den Schweiß- und Bohrarbeiten deutlich, denn alles braucht seine Zeit. Für mich dehnt die Installation einezeitlang einerseits die Zeit aus, andererseits hält sie sie an, zieht sie zusammen oder verlängert sie«, so Heitz.

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Der Musiker Frank Neuhaus interpretierte den Begriff der Zeit auf seine Weise auf einem Kontrabass.

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Die Installation »Verborgenes«: Der Name dieser dritten Installation ist Programm: Die verborgenen Anteile befinden sich innerhalb von transparenten Geweben und Materialien. »Manches kann man erst auf den zweiten Blick in dieser Installation entdecken oder ertasten«, sagt Veronika Heitz. Aus Quark, Sand, Draht, Acrylfarbe, Plastikschläuche, Wolle, Holzschnitten, Zeichnungen, Papier, Vlies und Nähgarn entstanden die die Exponate. Veronika Heitz schnitt, klebte, verpackte, riss, schichtete und umwickelte. Ein roter Wollfaden lugt scheinbar zufällig unter den Materialschichten hervor, nicht nur im übertragenen Sinne ein roter Faden: Er taucht in anderen Arbeiten scheinbar zufällig auf.

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Stephanie Sitterz, Koordinatorin der Kunstausstellungen bei den Stadtwerken Bielefeld: »Mit den Installationen von Veronika Heitz zeigen die Stadtwerke Bielefeld ungewöhnliche Arbeiten. Die Besucher der Ausstellung werden beispielsweise über die philosophischen Aussagen zum Thema Zeit miteinander sprechen.«

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Öffnungszeiten der Ausstellung im Neuen Foyer bei Stadtwerke Bielefeld GmbH in der Schildescher Straße 16: Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag von 7:30 Uhr bis 17:00 Uhr und am Donnerstag von 7:30 bis 18:00 Uhr. Die Ausstellung ist bis zum 15. April 2013 zu sehen. Öffentlicher Nahverkehr: Buslinie 27, Haltestelle Stadtwerke; Stadtbahnlinie 1, Haltestelle Sudbrackstraße. Weitere Infos: www.stadtwerke-bielefeld.de

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Zur Künstlerin: Veronika Heitz wurde 1960 in Gütersloh geboren, lebt und arbeitet heute in Bielefeld. Erste Ausbildung: Technische Zeichnerin, Fachrichtung Elektro. 1987 bis 1995 Studium der Visuellen Kommunikation an der Fachhochschule Bielefeld, Fachbereich Gestaltung mit dem Abschluss Diplom-Grafik-Designerin. Veronika Heitz arbeitet freiberuflich. Seit 2006 ist sie Mitglied der Offenen Ateliers Bielefeld e. V., seit 2011 Teilnehmerin bei den Bielefelder Nachtansichten. Weitere Infos: www.veronika-heitz.de

 Ich bedanke mich bei Frau Stephanie Sitterz für die ausführliche Presse-Information, welche neben dem Gespräch mit Veronika Heitz die Basis meines Berichtes bildet. Gábor Wallrabenstein.

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